6 Dinge, die du beim Handling deiner Fährtenleine beachten solltest

6 Dinge, die du beim Handling deiner Fährtenleine beachten solltest
6 Dinge, die du beim Handling deiner Fährtenleine beachten solltest

Über die Fährtenleine bekommt dein Fährtenhund Signale von dir – gewollt oder ungewollt. Genau dadurch kann sich sein Suchverhalten verändern: Ein höheres Tempo, ungewolltes Stehenbleiben oder auch unruhiges Faseln entstehen zum Beispiel dann, wenn eine veränderte Leinenspannung, Nachgreifen oder Bremsen eine Nachricht an deinen Hund übermitteln.
Dein Ziel beim Handling deiner Fährtenleine ist deshalb simpel: möglichst wenig Nebeninfos über die Leine schicken, damit dein Hund sein Können auf der Fährte zeigen kann – im Fährtentraining genauso wie später in der Prüfung.

Damit du schnell den passenden Punkt findest, kommt hier die Übersicht:  

1) Vorbereitung – der Startpunkt für das Handling deiner Fährtenleine

Bevor du überhaupt zum Abgang gehst, lohnt sich ein kurzer Blick auf deine Fährtenleine. Gibt es Kerben, Scheuerstellen oder Materialbrüche? Sitzt der Karabiner korrekt, ist nichts verbogen, schließt er zuverlässig – und findest du irgendwo Risse im Metall? Das dauert keine 20 Sekunden und verhindert, dass du später beim Absuchen plötzlich ohne deinen Hund dastehst, weil unterwegs etwas kaputtgegangen ist.

Am Abgang selbst legst du die Leine am besten lang aus oder wirfst sie in einem Zug aus, sodass sie sich abrollt und lang hinter euch liegt. Knoten, Drehungen und kleine „Schlingen“ nimmst du raus, bevor du ansetzt. Genau solche Stellen sorgen sonst dafür, dass das Band später nicht gleichmäßig durch deine Finger laufen kann. Das wirkt unspektakulär, ist aber der Punkt, an dem du dir beim Handling deiner Fährtenleine das meiste Gefummel und unnötige Unterbrechungen in eurer Fährtenarbeit sparst. Wenn du eine Fährtenleine aus Leder oder Biothane verwendest, bist du etwas im Vorteil, denn diese Bänder vertüdeln sich durch ihre glattere Oberfläche deutlich seltener als andere.

2) Startgriff mit kontrolliertem Gleiten – so beginnt gutes Leinenhandling

Dieser Punkt ist nicht nur beim ersten Ansatz wichtig, sondern auch zwischendurch – zum Beispiel nach dem Verweisen, wenn ihr eure Fährtensuche fortsetzt. Beim (Wieder-)Ansatz entscheidet sich oft, wie die ersten Meter auf der Fährte aussehen.

Nimm die Leine locker in deine Führhand und umschließe das Band so, dass es kontrolliert gleiten kann. Wenn du deinen Hund bremsen musst, schließt du die Hand etwas fester – wenn du wieder freigeben möchtest, öffnest du sie entsprechend. Dann streckst du die Führhand leicht nach hinten (bei mir als Rechtshänderin ist das die linke Hand). Mit der anderen Hand hältst du die Leine vorne locker mit. Nach dem Such-Kommando gleitet das Band deiner Suchleine also durch beide Hände.

Wenn das Leinenende erreicht wird, hast du zwei Vorteile:

Genau diese kleinen Rucke sind häufig der Grund, warum der suchende Fährtenhund kurz nach dem Ansetzen aus der Arbeit kommt und sich zum Hundeführer oder zur Hundeführerin umdreht – im Fährtentraining ärgerlich, in der Prüfung teuer. Dabei spielt es keine Rolle, ob du zum Beispiel glatteres Biothane oder lieber gummiertes Gurtband einsetzt, das dir mehr Grip bei ziehenden Hunden bietet. Leinenrucke dieser Art hängen in erster Linie mit deinem Handling und deinem Bewegungsablauf zusammen – nicht mit der unterschiedlich starken Anti-Rutsch-Funktion des Bandes.

3) Dosiert bremsen, ohne zu blocken – ein Kernstück im Handling deiner Fährtenleine

Bremsen gehört zum Leinenhandling dazu – besonders beim Start. Entscheidend ist nicht, ob du bremst, sondern wie: geschmeidig oder ruckelig. Ein bewährtes Prinzip ist der Daumendruck: Du legst den Daumen aufs Band und erhöhst den Druck nur so weit, wie du es gerade brauchst. Je mehr Druck, desto höher die Bremswirkung.

Bei Hexa oder gummiertem Gurtband, in seltenen Fällen auch bei Biothane, kann zu viel Daumendruck schnell ruckelig werden. Das ist kein Materialfehler, sondern hängt mit dem Reibungswiderstand zusammen, den diese Bänder als Anti-Rutsch-Eigenschaft mitbringen. Für dich heißt das: Übung mit deinem Leinenband macht den Unterschied, damit du auch bei höherer Reibung die Leine kontrolliert führst – ohne Rucke und damit ohne zusätzliche Botschaften an deinen Hund.

6 Dinge die du beim Handling deiner Fährtenleine beachten solltest - Zügelfaust

4) Sicherer Halt bei glattem Leinenende: Zügelfaust als Prinzip – damit dein Leinenhandling nicht verkrampft

Wenn du das Gefühl kennst, dass dir die Leine beim Suchen „durchschießen“ könnte, können eine Handschlaufe oder ein Stopp am Ende eine passende Ergänzung zu den Eigenschaften deiner Fährtenleine sein. In der Praxis hat sich bei uns aber vor allem die Zügelfaust bewährt – bei jedem Material.

Sie sorgt dafür, dass du die Leine sicher hältst, ohne die Finger zu überlasten oder zu verkrampfen. Du führst das Band zwischen Daumen und Zeigefinger nach unten und lässt es anschließend zwischen Ringfinger und kleinem Finger wieder herauslaufen. Das ist anfangs ungewohnt, fühlt sich aber schnell sehr kontrolliert an.

Auch Leinen mit Stopp oder Knoten am Ende lassen sich prüfungskonform mit der Zügelfaust festhalten. Wenn du eine Schlaufe bevorzugst, kannst du versuchen, sie mit der gleichen Technik in deiner Hand zu sichern – oder du greifst einfach hinein. Nur nicht ums Handgelenk wickeln, denn dann kannst du die Leine am Gegenstand nicht schnell genug fallen lassen.

Extratipp fürs Fährtentraining: Leine unkompliziert verlängern

Gerade bei jungen oder unerfahrenen Hunden gehört auch die Gewöhnung an lange Leinenlängen und größere Abstände zwischen euch dazu. Ich spiele während der aktiven Suche deshalb gern mit der Länge und zeige meinem Hund: Es ist für dich irrelevant, ob ich direkt hinter dir oder weiter weg bin.

Damit diese Längenwechsel nicht als Signal ankommen, gebe ich das Band kontrolliert zwischen Ring- und kleinem Finger frei, lasse die Leine bis zur gewünschten Länge durchgleiten und fädle sie danach wieder zwischen den beiden Fingern ein. Ein kurzer Stopp mit dem Daumen, bevor du das restliche Band deiner Fährtenleine wieder in die Zügelfaust einsortierst, hilft zusätzlich.

Trockenübung

Du kannst das Freigeben und Einsortieren an einem Stuhl oder Zaun üben: Leine festbinden, Zügelfaust einnehmen, Band zwischen Ring- und kleinem Finger lösen und rückwärts gehen, damit die Leine kontrolliert durchgleitet. Dann mit dem Daumen stoppen und stehen bleiben, Restband wieder einsortieren/einfädeln – und wiederholen. Mit etwas Übung klappt das später auch geschmeidig und einhändig im Laufen, also direkt beim Absuchen eurer Fährte.

6 Dinge die du beim Handling deiner Fährtenleine beachten solltest - Winkelarbeit

5) Winkel: Handling deiner Fährtenleine ohne Verkürzen

Winkel sind der Moment, in dem viele Hundeführer und Hundeführerinnen unbewusst anfangen, an der Leine herumzumachen. Dabei passiert etwas ganz Natürliches: Wenn dein Hund um den Winkel geht (grüne Linie), verringert sich der Abstand zu dir – die Leine wird automatisch lockerer. Das verleitet dazu, das Band einzuholen.

Da dieses Einholen im Prüfungsbild nicht gewünscht ist, wird die Leine beim Absuchen schlicht festgehalten: in der Prüfung ganz am Ende, im Fährtentraining dort, wo du sie gerade hast. Der Trick liegt nicht im Verkürzen, sondern in deiner Bewegung:

Tritt seitlich raus (entgegengesetzt zur Suchrichtung deines Hundes, gelbe Linie) und folge deinem Hund in einem eirigen Bogen auf den nächsten Schenkel. Die leicht gespannte Leine bestimmt dabei den Radius und du kannst zugleich sicherstellen, dass dein Hund sein Tempo nicht verändert. So hältst du deinen Abstand, ohne sichtbar zu verkürzen oder die Leinenspannung zwischen euch zu verändern – und dein Fährtenhund kann den nächsten Schenkel ohne Störung annehmen.

6) Am Gegenstand handeln und danach wieder ansetzen

Am Gegenstand lohnt sich eine klare Routine, die du auch in der Prüfung nutzen kannst: Du bleibst stehen und lässt die Leine fallen oder legst sie bewusst ab. Dann gehst du neben der Leine zu deinem Hund und machst deinen Ablauf am Gegenstand so, wie du es im Fährtentraining aufgebaut hast.

Danach gilt wieder das, was am Anfang des Artikels steht: Leine aufnehmen, kurz ordnen, neben den Hund stellen – und entweder neu ansetzen oder zur Abmeldung gehen. Damit habt ihr euch ein weiteres Puzzleteil für eure mentale Sicherheit in nervenaufreibenden Prüfungssituationen geschaffen.

Wenn du dir aus dem ganzen Thema nur einen Gedanken mitnimmst, dann diesen: Die Fährtenleine überträgt Infos – und du entscheidest, ob das hilfreiche oder störende Infos sind.

Je klarer deine Vorbereitung ist, je kontrollierter du Gleiten und Bremsen einsetzt und je konsequenter du am Winkel und an den Gegenständen arbeitest, desto weniger „quatscht“ euch die Leine dazwischen.Und genau das ist das Ziel: Dein Fährtenhund soll suchen – und du sorgst mit dem Handling deiner Fährtenleine dafür, dass eure Verbindung über die Leine euch als Team stärkt und nicht durcheinanderbringt.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Gerhard Von der Haar Neuenkirchen

    Hallo Maja, Klasse und nachvollziehbar geschrieben…mfg Gerd

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